Jedes Jahr macht der International Girls in ICT Day weltweit darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, Mädchen und junge Frauen für die Technologiebranche zu begeistern. Trotz zahlreicher Initiativen bleibt der Frauenanteil in technischen Berufen gering – besonders in zukunftsweisenden Bereichen wie der Künstlichen Intelligenz. Der Tag soll nicht nur inspirieren, sondern auch aufzeigen, welche strukturellen Hürden Frauen in der Tech-Welt noch immer begegnen.
Die Künstliche Intelligenz verändert unsere Welt – aber wer gestaltet sie eigentlich? Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Frauen sind in der KI-Branche weiterhin stark unterrepräsentiert. Die Gründe dafür sind vielschichtig: stereotype Rollenbilder, mangelnde Förderung und fehlende Sichtbarkeit.
Dass diese Unterrepräsentanz Folgen hat, zeigt auch die Forschung – wie zum Beispiel die Studie „Frauen im Bereich Künstliche Intelligenz: Rollen, Potenzialentfaltung und Unternehmensstrategien“ des Fraunhofer-Instituts. „Ein Algorithmus oder ein darauf beruhendes KI-basiertes System spiegeln die Perspektive des Entwicklungsteams wider. Wenn ein Produkt ausschließlich von einer homogenen Gruppe entwickelt wird […], besteht die Gefahr von blinden Flecken.“ (Fraunhofer, 2024, S. 7)
Diese blinden Flecken führen dazu, dass sich Verzerrungen in KI-Systemen festsetzen können – mit weitreichenden Konsequenzen. „Diverse Teams bzw. eine Reduzierung der Unterrepräsentanz von Frauen können positive Effekte haben, nicht zuletzt dahingehend, dass mit einer Vielzahl von Perspektiven existierende Verzerrungen in KI-Modellen eher erkannt werden können.“ (Fraunhofer, 2024, S. 16)
Die gute Nachricht: Veränderung ist möglich. „Die aktive Einbindung von Frauen stärkt die technologische Integrität und trägt zur Überwindung der Benachteiligungen bei, was zu faireren und inklusiveren KI-basierten Systemen führen kann.“ (Fraunhofer, 2024, S. 4) Immer mehr Unternehmen erkennen, dass Vielfalt nicht nur fair ist – sondern auch ein Innovationsmotor.
Quelle: Cristescu, A., Omri, S., Ködel, L., Schletz, A., & Marsden, N. (2024). Frauen im Bereich Künstliche Intelligenz: Rollen, Potenzialentfaltung und Unternehmensstrategien (K. Hölzle, O. Riedel, W. Bauer, B. Bienzeisler, & J. Neuhüttler, Hrsg.). Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO.
Auch wir als IT-Unternehmen sind uns dieser Verantwortung bewusst. Bei uns arbeiten Frauen in allen Bereichen und übernehmen dort zentrale Rollen. Besonders stolz sind wir auf den hohen Anteil an Frauen in Führungspositionen, die mit fachlicher Stärke, Teamgeist und frischen Perspektiven unsere technologische Entwicklung prägen. Die Förderung von Diversität und Chancengleichheit ist für uns kein Nebenschauplatz, sondern Teil unserer Unternehmenskultur.
Wir wollen in diesem Beitrag herausfinden: Was braucht es konkret, um mehr Frauen für die KI-Branche zu begeistern und langfristig strukturelle Veränderungen herbeizuführen? Genau das haben wir Amelie gefragt, die als Werkstudentin bei uns im Bereich Data Science arbeitet und von ihren Erfahrungen als junge Frau in diesem spannenden, aber oft herausfordernden Berufsfeld berichtet.

Was hat dich dazu bewegt, dich für einen technischen Studiengang zu entscheiden?
Schon in der Oberstufe haben mich vor allem die technischen Fächer interessiert. Später habe ich gemerkt, dass mir soziale Themen sehr wichtig sind. Deshalb wollte ich Themen vereinbaren, bei denen Technik und Mensch zusammenkommen. Im Laufe der Zeit habe ich immer mehr Schnittstellen zwischen beiden entdeckt und gemerkt, dass genau dort mein Interesse liegt.
War KI von Anfang an dein Interessensgebiet oder hat sich das erst später ergeben?
Der Bezug zu dem Thema hat sich für mich erst später ergeben. Im Studium hatte ich zum ersten Mal bei einem Sommerseminar einen Berührungspunkt mit Algorithmic Bias – das hat mein Interesse geweckt. Als ich dann die Stellenanzeige gesehen habe, hat sich für mich zum ersten Mal wirklich ein konkreter Bezug ergeben, und ich konnte mir vorstellen, in diesem Bereich zu arbeiten. Mir ist auch bewusst geworden, dass die Arbeit in diesem Feld viel Eigenmotivation verlangt, weil man sich oft selbstständig einarbeiten und dranbleiben muss. Aber genau das macht es auch spannend.
Woran arbeitest du aktuell? Kannst du uns einen kurzen Einblick in deine Aufgaben geben?
Aktuell arbeite ich bei IT Sonix an einem Chatbot, der auf unsere internen Informationsquellen zugreift und damit unseren Mitarbeitenden ermöglicht, gezielt über unternehmensspezifische Themen zu schreiben. Meine Aufgaben sind dabei sehr vielfältig: Zum einen entwickle ich die RAG-Pipeline in Python weiter, zum anderen gehören auch Recherche- und Evaluationsaufgaben dazu – zum Beispiel, um passende Modelle oder Tools zu finden. Parallel arbeite ich auch am Frontend und nutze dabei verschiedene KI-Tools. Ein weiterer spannender Teil meiner Arbeit wird zukünftig das Deployment sein, also die Auslieferung des Chatbots, damit er im Unternehmen tatsächlich genutzt werden kann.
Gibt es ein Projekt oder eine Herausforderung, auf die du besonders stolz bist?
Es gibt bei mir nicht das eine große Projekt, aber genau das gefällt mir sehr. Ich lerne ständig viele kleine Dinge dazu und sehe dadurch auch richtige Fortschritte, sowohl in meiner Arbeit als auch in meinen eigenen Skills. Ein besonderer Meilenstein war für mich zum Beispiel, als ich das erste Mal eine API mit einer Datenbank aufgesetzt habe.
Wie erlebst du das Arbeitsumfeld in der Tech-Branche als Frau – und siehst du dort noch besondere Herausforderungen für Frauen?
Das ist eine ziemlich komplizierte Frage, weil sie viele Ebenen hat. Für mich liegt ein spannender Punkt an der Schnittstelle zwischen Studium und Arbeit. Bei IT Sonix zu arbeiten, empfinde ich trotz des sehr hohen Männeranteils als angenehm – besonders durch Menschen wie Danny, der sehr aufgeschlossen ist. Dadurch fällt es mir leichter, mich einzubringen. Gleichzeitig merke ich, wie stark die Arbeit von guter Zusammenarbeit abhängt. Im Studium sieht das oft anders aus. Da fehlen oft alternative Sichtweisen. Ich finde, Informatik wird viel zu oft als rein technische Disziplin gesehen, dabei hat sie ganz klar auch gesellschaftliche Auswirkungen. Deshalb ist es mir wichtig, dass Gruppen, die nicht der Norm entsprechen, bewusst mehr Raum gegeben wird – und dass ein Umfeld geschaffen wird, in dem sich alle wirklich wohlfühlen und entfalten können. Bei IT Sonix habe ich den Eindruck, dass ein respektvoller Umgang nicht nur gewünscht, sondern auch wirklich umgesetzt wird.
Hast du Vorbilder oder inspirierende Personen, die dich auf deinem Weg motiviert haben?
Mich inspiriert vor allem die Arbeit von Dr. Joy Buolamwini, die sich intensiv mit Diskriminierung durch Algorithmen und KI-Systeme auseinandersetzt. Ihre Forschung zeigt, wie wichtig es ist, technologische Entwicklungen kritisch zu hinterfragen. Aber auch im Arbeitsalltag finde ich Inspiration – zum Beispiel durch Danny, der mit seiner Motivation und Offenheit einfach ansteckend wirkt.
Wie siehst du die Zukunft der KI – gibt es Trends oder Entwicklungen, auf die du besonders gespannt bist?
Ich finde es spannend zu beobachten, wie KI die Softwareentwicklung verändert – besonders durch agentische KI, die Aufgaben zunehmend selbstständig übernehmen kann. Schon jetzt ist es fast Alltag, beim Programmieren KI-gestützte Tools zu nutzen. Gleichzeitig bin ich neugierig, wie sich KI künftig in alltägliche und öffentliche Lebensbereiche integrieren wird, wie sie Prozesse verändert und automatisiert. Dabei ist mir besonders wichtig, dass die Nutzung von KI offen und transparent kommuniziert wird, um mögliche Risiken und gefährliche Einfallstore frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.
Was würdest du jungen Frauen mitgeben, die überlegen, in die IT oder in den KI-Bereich zu gehen?
Ich würde andere auf jeden Fall ermutigen, sich mit dem Feld auseinanderzusetzen – einfach, weil es ein unglaublich interessantes Themengebiet ist, in dem man viel Raum hat, selbstständig zu arbeiten und eigene Ideen umzusetzen. Es gibt viele Frauen, die in diesem Bereich erfolgreiche Vorbilder sind, auch, wenn sie sich nicht im direkten Umfeld befinden – das sollte man sich immer wieder bewusst machen. Und ganz wichtig: Fehler gehören dazu. Sie sind normal und oft genau das, was einen langfristig stärker macht.